In Gedenken an Ibrahim Akkuş – dem letzten Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau

Ibrahim Akkuş ist am 10. Januar nach sechs Jahren des Kämpfens an den Folgen des rassistischen Anschlags in Hanau gestorben.
Als in der Türkei lebender Kurde hatte er schon lange vor dem 19. Februar 2020 rechten Terror erlebt. Sein Bruder wurde nach einem abgelehnten Asylantrag 1980 in der Türkei von Faschisten ermordet.
„Ich bin in meinem Leben nur dem Schmerz begegnet“, sagte Ibrahim mal in einem Interview.
Zwei Brüder. Zwei Morde.
8 Schüsse trafen Ibrahim. Er musste mehrfach operiert werden, war monatelang im Krankenhaus und saß wegen des Anschlags für den Rest seines Lebens im Rollstuhl.
Die Wohnung von Ibrahim und seiner Familie ist nicht barrierefrei gewesen.
Die 19-jährige Tochter Sara hat seit des Anschlags Verantwortung übernehmen müssen, weil ihr Vater aufgrunddessen pflegebedürftig war. Mutter und Tochter mussten die Pflege jahrelang ganz alleine stemmen.

Die Hintergründe vom 19. Februar sind dank der Initiative Angehöriger und Freunde mittlerweile umfänglich bekannt. Die verschlossene Tür des Ladens, rechtsradikale Beamte im Einsatz der Tatnacht und der unbesetzte Notruf. Die Liste ist lang. Darum der dringende Rat an alle, die damit nicht vertraut sind, nochmal hier alles nachzulesen: https://19feb-hanau.org/wp-content/uploads/2021/02/Kette-des-Versagens-17-02-2021.pdf

Doch unsere Kritik beginnt nicht erst bei der Tür.
Denn auch die Tat begann nicht erst am 19. Februar. Der Täter war Mitglied eines Schützenvereins und hatte einen Waffenschein. Er hat 2018 eine Prostituierte mit Waffen bedroht, woraufhin sie die Polizei rief.
Die Polizei hat wegen der Waffen nicht ermittelt oder sie gesucht. Gegen die Prostituierte wurde aber wegen eines Joints ermittelt. Die Polizei in München sagte, der Täter war ihnen “bekannt und auffällig”.

Warum hatte also niemand den Täter auf dem Schirm?
Warum hat niemand den Vater des Täters auf dem Schirm?
Sara Akkuş sagt, der Vater begnetet ihr immer wieder in Kesselstadt. Serpil Temiz-Unvar – Ferhat Unvars Mutter – hat Angst vor dem Vater. Er tauchte immer wieder vor ihrer Wohnung auf. Sie hat die Behörden mehrfach verständigt. Die meinten, sie soll doch umziehen.
Alle Überlebenden und Angehörigen haben ähnliche Geschichten.

Den Behörden ist das alles egal.
Kein Beamter wurde entlassen. Niemand übernahm Verantwortung für das Notrufdesaster. Es gibt keine juristischen Folgen. Keine richtige Aufklärung, keine Konsequenzen.

Warum?
Weil dieser Staat kein Interesse daran hat, etwas zu ändern.
Sie wollten Ibrahims Bruder 1980 nicht schützen.
Sie wollten am 19. Februar 2020 niemanden schützen.
Nach der Tat wollten sie Ibrahim und seine Familie nicht unterstützen, ihnen war es egal ob er die letzten sechs Jahre seines Lebens gelitten hat,
dass Ibrahim die 9 Quadratmeter seines Zimmers kaum verlassen konnte,
Dass aufgrund des 19. Februar 10 Menschen sterben mussten. Egal.

Wir wollen den Fokus des heutigen Text bei Ibrahim belassen. Vater, Geflüchteter, Ehemann und Arbeiter. Seine Geschichte ist eine des Schmerzes. Ein Zustand der sich nach dem Anschlag des 19. Februar drastisch verschlimmerte. Sein Leben bestand aus Einsamkeit, Armut und großem Leid. Er sorgte sich viel um seine Familie
„Ich bin in meinem Leben nur dem Schmerz begegnet“, sagte er.

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) hat gesagt, Ibrahims Schicksal sei “Mahnung und Auftrag zugleich”.
Die Stadt werde “weiter alles daransetzen, dass Erinnerung, Verantwortung und der Einsatz gegen Rassismus und menschenfeindliche Ideologien fester Bestandteil unseres Handelns bleiben”, sagte Kaminsky.
Die Worte des SPD Politikers sind weder Trost, noch Hilfe.
Seine Partei will trotzdem weiterhin abschieben. Außerdem haben sie kürzlich das Rentenpaket beschlossen, das ganz klar auf dem Rücken derer lastet, die schon wenig Rente bekommen. Besonders betroffen davon sind Migrant*innen. Das deutsche Institut für Altersvorsorge bestätigt: “Obwohl immer mehr Ausländer in das deutsche Rentensystem einzahlen, sind die Rentenbezüge für diese Gruppe im Durchschnitt deutlich niedriger als die Renten für deutsche Ruheständler.”

Beschlüsse wie diese machen das Leben schwerer für Menschen wie Ibrahim. Denn obwohl er 46 Jahre lang in Deutschland gelebt und gearbeitet hat, war er von Armut betroffen.
Er hatte so viele Gründe um entmutigt, ohne Hoffnung und wütend zu sein.
Mindestens genauso viele Gründe haben wir, um weiterhin für Ibrahims Werte einzustehen und zu kämpfen!

Lasst uns zusammen am 19. Februar den 10 Ermordeten gedenken.
Wir wollen zusammen an Ibrahims Leben denken und seine Kämpfe ehren.
Am 19. Februar auf die Straße!

Antifaschistisch ins Jahr 2026: Neujahr-Basteln und Plenum im Januar

Wir werden auch im Jahr 2026 konsequente antifaschistische Politik machen. Dafür wollen wir gut vorbereitet sein. Wir starten am 06.01.2026 um 10 Uhr mit einem Neujahresbasteln, zu dem Alle die wollen, ob schon aktiv oder gerade am aktiv werden, eigeladen sind!

Abends, um 19 Uhr, findet dann unser erstes Plenum in diesem Jahr statt.
Wenn ihr hier zum ersten mal kommen wollt, seid am besten schon um 18:30 Uhr da, um uns als Antifa-Stammtisch München besser kennen lernen zu können!


In Gedenken an Georg Elser!

Am 8.11.1939 verübte der Antifaschist und Kommunist Georg Elser einen Sprengstoffanschlag auf den Bürgerbräukeller in München. Ziel dessen war es Adolf Hitler und fast die gesamte Führungsriege, welche an diesem Abend anwesend sein sollte, zu töten. Das Attentat auf Hitler scheiterte, dennoch starben 7 Nazis und 63 wurden verletzt. Wir erinnern uns an Georg Elser als mutigen Kommunisten, der seinen Überzeugungen treu blieb und für sie starb. In Gedenken an ihn haben wir ein Graffiti am Schlachthof gesprüht um ihm ein vorübergehendes Denkmal zu setzen, welches auch an ihn als kommunistischen Widerstandskämpfer erinnern soll. Georg Elser sagte später in den Verhören mit der Gestapo: “Ich habe den Krieg verhindern wollen.” Er zeigt damit: Antifaschismus ist unser aller Aufgabe. Kämpft organisiert. Kommt zum Antifa Stammtisch.

Gegenkultur am Abend – Vortrag über die neue Jugendorganisation der AfD

Ende November gründet sich die neue Jugendorganisation der AfD, die “Generation Deutschland” unter dem Motto “Zeit für deine Zukunft”. Beim Parteitag in Riesa Anfang des Jahres beschloss die Partei die Trennung von ihrer alten Jugendorganisation, der “Jungen Alternativen”, diese löste sich daraufhin im Frühjahr auf. Im Hinblick auf die anstehenden Ereignisse wollen wir gemeinsam diskutieren welche Rolle die neue Struktur haben könnte und was das für unsere antifaschistische Arbeit bedeutet.
Kommt am 28.10. um 19 Uhr ins Barrio Olga Benario vorbei!

Free Zaid! Keine Auslieferung nach Ungarn!

Der Antifaschist Zaid aus Nürnberg hat sich am 01. Oktober den Behörden in Frankreich gestellt, um einer Auslieferung durch den deutschen Staat nach Ungarn zuvorzukommen.

Zaid ist ein weiterer Genosse, der neben Hanna und vielen weiteren Antifaschist:innen im sogenannten „Budapest-Komplex” beschuldigt ist.

Er ist jedoch der einzige, der keine deutsche Anklage erhalten hat. Stattdessen ist er akut von einer Auslieferung nach Ungarn bedroht.

Warum: Im Vergleich zu den anderen in Deutschland wohnhaft beschuldigten Antifaschist:innen hat Zaid nicht die deutsche Staatsbürgerschaft, sondern ist syrischer Geflüchteter. Juristisch ist das eigentlich kein Argument:

Unabhängig von der Staatsangehörigkeit betrachtet sich Deutschland inzwischen als zuständig, weil die angebliche kriminelle Vereinigung in Deutschland gegründet worden sein soll. Für Zaid scheint das nicht zu gelten, er soll den Kopf hinhalten, damit die Bundesregierung mit rassistischer Abschiebepolitik bei AfD-Wähler*innen und dem rechtsautoritärem Regime Ungarns punkten kann.

Wir kennen die Umstände und Widrigkeiten, die Zaid in Ungarn erwarten würden:

Politische Schauprozesse, menschenunwürdige Haftbedingungen – von verschimmelter Nahrung, kompletter Isolation und erniedrigender Nacktkonrollen, wie sie bereits die Genoss:innen Maja, Tobi oder llaria erleben mussten.

Um das zu verhindern und eine Entscheidung gegen eine Auslieferung zu erzwingen, ist Zaid nun nach Frankreich gegangen, und hat sich dort den Behörden gestellt.

Das französische Gericht hat schon in einem weiteren Fall die Ausliefung nach Ungarn als rechtswidrig erklärt und ausgesetzt. Wir fordern, diese Entscheidung zu wiederholen

Dafür sind wir vor das französische Konsulat in München gezogen, haben Passant:innen über Zaids Situation informiert und haben unsere Forderung an das Konsulat angebracht.

Vergangenen Mittwoch, den 08.10.2025, war die erste Anhörung von einem französisches Gericht, über die potentielle Auslieferung Zaids nach Ungarn. Auch hier gilt unsere Forderung: Keine Auslieferungen nach Ungarn! Keine Kriminalisierung von Antifaschismus! Solidarität mit allen verfolgten Antifaschist:innen!

Gegenkultur am Abend – Was tun wenn´s brennt? – Vortrag der Roten Hilfe

Was tun wenn’s brennt? Vortrag mit Demotipps und zum Umgang mit Repression.
von der Roten Hilfe

am 30.9. um 19 Uhr im Barrio Olga Benario

Hier erfahrt ihr, welches Verhalten euch auf Demos und Aktionen helfen kann:
Was mitnehmen und was nicht?
Was tun, wenn Leute festgenommen, vorgeladen oder Wohnungen durchsucht werden?
Warum lieber nicht mit der Polizei reden, sondern die Aussage verweigern?

Jede politisch aktive Person muss früher oder später mit Repression wie Festnahmen bei Demonstrationen und Aktionen, ED-Behandlungen oder Hausdurchsuchungen rechnen. Durch den Vortrag könnt ihr euch darauf vorbereiten: Stehen wir zusammen gegen Repression!